EEGA Podiumsdiskussion – „Aktuelle Ansätze für das Schreiben der jüngsten Zeitgeschichte im östlichen Europa“

Zeitgeschichte wird traditionell als die Geschichte der Miterlebenden definiert. Dies bestimmt einerseits den Zeitraum, der Behandlung findet. Er ist gebunden an Zeitzeugenschaft und damit indirekt häufig auch an die nur rudimentäre Verfügbarkeit der Archive, die meist noch nicht vollständig geöffnet sind. Daraus ergibt sich nicht selten eine besondere Beziehung zur Geschichtspolitik, denn die Interpretation der jüngeren Geschichte steht dort häufig im Vordergrund und ist besonders umstritten, also auch anfällig für Instrumentalisierungen durch verschiedene gesellschaftliche Akteure. (…)

Die neuere Globalgeschichte geht so weit zu postulieren, dass gesellschaftliche Entwicklungen weniger durch interne Faktoren als durch die Interaktion verschiedener, teilweise räumlich weit auseinander liegender Gesellschaften verursacht werden (global condition). Was bedeutet diese Annahme für das Konzipieren und Schreiben von Zeitgeschichte? Ist die Bindung an die Zeitzeugenschaft der in einer Gesellschaft zusammen Lebenden weniger wichtig als die globalen Verflechtungen?

Wird Zeitgeschichte damit wieder stärker strukturalistisch? Ist die häufig auf Beziehungen zur Geschichtspolitik verweisende Frage nach der Identität damit weniger wichtig?

Diese und weitere Fragen, die zum großen Teil aus dem Publikum kamen, wurden bei der gestrigen Podiumsdiskussion sehr lebhaft diskutiert. Dass diese Fragen umstritten sind und sich einer eindeutigen und verbindlichen Antwort entziehen wurde während der Diskussion noch einmal deutlich. Im Zentrum stand daher ein fruchtbarer Austausch, indem es um die Konsequenzen ging, die globale Prozesse für verschiedene Phänomene im östlichen Europa, darunter auch die Auffassungen über die Zeitgeschichte, haben.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei unseren Podiumsteilnehmern, Frau Dr. Dahlke, Herrn Dr. Wulff und Herrn Prof. Dr. Rezník für ihre spannenden Beiträge und bei dem Publikum für Ihre aufmerksame Teilnahme.

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